Gib mir keine Fische - zeig mir, wie man sie fängt.

Anselem I. Chigozie

Anselem ist 18 Jahre alt. Er hat 8 Geschwister (2 ältere und 5 jüngere Schwestern, 1 jüngerer Bruder). Sein Vater, ist Schreiner und verdient ca. 1200,- Naira (8,-€) für einen Tag Arbeit, wenn er einen Auftrag hat. Er hat keine Werkstatt, sondern geht zu den Leuten, bietet seine Dienste an und erledigt die Arbeiten „vor Ort". Früher hat außerdem seine Frau zum Lebensunterhalt mit beigetragen und auf verschiedenen Märkten Lebensmittel verkauft.

Als Anselem 12 Jahre alt war, starb seine Mutter. Von da an ging es der (10-köpfigen) Familie finanziell schlecht und das Geld reichte nicht mehr. Trotzdem kratzten sie jeden Naira zusammen, damit Anselem die Schule beenden konnte. Für eine Ausbildung war dann kein Geld mehr da.

Anselem fühlte sich als ältester Sohn sehr für die Familie verantwortlich und wollte seinem Vater helfen für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Damit er zumindest ein bisschen Geld verdienen konnte, lieh sein Vater von einem Bekannten Geld und kaufte ihm ein gebrauchtes Mofa (Okada). Mit dem Mofa transportierte Anselem dann jeden Tag - für 20 Naira (ca. 13 Cent) pro Fahrt - Leute auf dem Gepäckträger. Mit dem so verdienten Geld unterstützte er seinen Vater dabei die Familie zu ernähren und zahlte außerdem Stück für Stück das geliehene Geld zurück. Anselem ist sehr stolz, dass er seit Dezember 2003 sein Mofa komplett abgezahlt hat. Danach fing er an für seinen großen Traum zu sparen - eine Ausbildung zum Schlosser.

Dann ereignete sich für Anselem und seine Familie ein großes Wunder:

Wie jeden Tag saß die ganze Familie zusammen und betete. Es war noch sehr früh am Morgen und sie beteten wieder einmal verzweifelt um Hilfe aus ihrer ausweglosen Situation, besonders beteten sie auch für Anselem. Als sie gerade das Gebet beendet hatten, klopfte es an der Türe. Sie erschraken zunächst, da es so früh am Morgen war und sie dachten, es wäre etwas passiert. Es war ein Nachbar, der ihnen erzählte, er habe von einem Projekt EROGOSA gehört, das sozial benachteiligten Jugendlichen die Ausbildung finanziert. Da er die Situation der Familie kannte, ist er sofort zu ihnen gekommen um ihnen davon zu berichten. Anselem und sein Vater konnten es zunächst gar nicht glauben und standen noch vor 7.00 Uhr vor Oby's Türe...

Anselem hat einen Paten aus Deutschland und hat bereits mit seiner Ausbildung angefangen, Er ist inzwischen im 2. Lehrjahr und arbeitet sehr viel und lernt sehr schnell. Sein Meister lobt ihn sehr und berichtete, dass er in manchen Bereichen bereits besser und schneller sei als mancher Lehrling im 3. Lehrjahr.

Bild: Anselem in der Werkstatt

Anselem bei der Arbeit